In diesem Inselbrief erfährst du, warum Schmerz manchmal bleibt – und was passiert, wenn er plötzlich seine Macht verliert.
Als der Schmerz seine Macht verlor
Vor einigen Tagen hatte ich ein Aufstellungsseminar. Sabine, eine Teilnehmerin, kam mit einem Thema, das ihr Leben schon seit Jahren begleitet. Chronischen Schmerzen.
Es gibt kaum einen Tag, an dem ihr Körper nicht irgendwo wehtut. Manchmal ist es der Rücken, manchmal sind es die Schultern und manchmal wandert der Schmerz auch an ganz andere Stellen. Wenn die Schmerzen einmal etwas nachlassen, beginnt sie automatisch, in sich hineinzuhorchen. Wo tut es weh? Ist da wieder etwas? Ist der Schmerz noch da? Fast so, als würde sie ihn suchen. Als würde ein Teil von ihr überprüfen, ob er wirklich verschwunden ist oder nur kurz Pause macht.
Wer suchet, der findet, manchmal sogar den Schmerz
Die Ärzte haben über Jahre hinweg vieles untersucht. Unzählige Termine, Untersuchungen und Therapieversuche. Doch sie konnten keine klare Ursache finden. Nach einer langen medizinischen Odyssee wurde Sabine schließlich ohne wirkliche Antwort wieder nach Hause geschickt. Mit ihren Schmerzen und mit der Frage, wie soll es jetzt weitergehen.
Sabine leidet sehr unter dieser Situation. Der ständige Schmerz zerrt an ihren Kräften und macht sie mit der Zeit unzufrieden, mürbe und müde. An manchen Tagen ist sie schnell genervt, innerlich angestrengt und auch sehr dünnhäutig. Denn wenn der Körper über lange Zeit Signale sendet, die nicht aufhören wollen, kostet es enorm viel Energie, dem Alltag dennoch zu begegnen. Was für andere selbstverständlich erscheint, wird für sie oft zu einer Herausforderung. Der Schmerz ist dann nicht nur im Körper spürbar, sondern beginnt auch, ihre Stimmung, ihre Gedanken und ihr gesamtes Lebensgefühl zu beeinflussen.
Inzwischen leidet nicht nur Sabine unter den Schmerzen, sondern ihr gesamtes Umfeld. Ihre Partnerschaft, ihre Familie und ihre Freunde werden unweigerlich mit in diese Situation hineingezogen. Gespräche und Gedenken kreisen immer wieder um das gleiche Thema. Wie stark sind die Schmerzen heute? Ist es besser oder schlimmer geworden? Der Körper rückt immer mehr in den Mittelpunkt, während die Lebensfreude immer stärker in den Hintergrund tritt. Der Schmerz ist längst nicht mehr nur ein körperliches Symptom, sondern ein ständiger Begleiter geworden.
Der Schmerz wurde Teil meines Lebens
Als Sabine schließlich zu meinem Seminar kam, stand genau dieses Thema im Mittelpunkt. Sie hatte sich entschieden, dem Schmerz ins Auge zu schauen, ihn sichtbar zu machen, und deshalb war sie hier. Systemische Aufstellungen zeigen meist deutlich, dass hinter körperlichen oder emotionalen Themen Dynamiken wirken, die wir im Alltag kaum wahrnehmen.
Ich wählte dafür die Form einer Strukturaufstellung. Neben dem Stellvertreter für Sabine stellen wir auch den Schmerz als eigene Postion in das Feld. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich eine erstaunliche Dynamik. Der Schmerz bleibt immer wieder bei Sabine stehen. Fast so, als würde er ihre Aufmerksamkeit einfordern, und Sabine gab sie ihm. Zwar genervt, erschöpft und auch resigniert, aber dennoch immer wieder. Es wurde ganz klar sichtbar, dass sie unbewusst an dem Schmerz festhielt. Nicht, weil sie wollte, sondern weil ein Teil von ihr gelernt hatte, sich immer wieder auf ihn zu konzentrieren.
Solche Dynamiken entstehen häufig, wenn Menschen über längere Zeit den Kontakt zu ihrer eigenen inneren Kraft verlieren. Dann rutschen sie unbemerkt in ihr Kinder-Ich oder in eine Opferrolle, in der der Schmerz oder das Leid mehr Raum bekommen, als die eigene Stärke. Der Blick richtet sich dann immer wieder auf das, was nicht funktioniert, auf das, was wehtut, auf das, was schwer ist.
In der Aufstellung unterstützte ich die Stellvertreterin von Sabine mit meinen energetischen Energiepunkten, damit sie wieder Kontakt zu ihrer eigenen inneren Kraft bekommt, und das Erstaunliche geschah sofort. Als die Stellvertreterin begann, dem Schmerz aus ihrer Erwachsenenenergie heraus auf Augenhöhe zu begegnen, veränderte sich die gesamte Energie im Raum. Der Schmerz verlor plötzlich sein Interesse. Er drehte sich weg, als hätte er nichts mehr zu tun. Wie aus dem Nichts kam eine ganz andere Energie ins Feld: Leichtigkeit, Ruhe und Lebendigkeit. Die Stellvertreterin von Sabine begann zu lachen. Die Stimmung wurde hell und frei. Es war einer dieser besonderen Momente, die jeder im Raum spüren konnte: Hier hat sich gerade etwas Entscheidendes verändert. Doch etwas später äußerte die Stellvertreterin von Sabine: „Ein bisschen Angst ist ja auch gut, damit wir Respekt vor dem Leben haben und nicht leichtsinnig werden.“ Kaum hatte sie diesen Satz ausgesprochen, geschah etwas sehr Spannendes.
Der Schmerz kam plötzlich zurück und er stellte sich sofort wieder zu Sabine. Für alle Teilnehmer war diese Beobachtung unglaublich eindrücklich. Denn plötzlich wurde sichtbar, wie stark unsere Gedanken und inneren Überzeugungen unsere Realität beeinflussen.
Diese Aufstellung war für alle Teilnehmer ein großes Geschenk, denn sie konnten live beobachten, was geschieht, wenn ein Mensch wieder in seine eigene Kraft zurückkehrt. Und was möglich wird, wenn wir beginnen, unsere Gedanken und unsere innere Haltung zu verändern. Manchmal halten wir unbewusst an Dingen fest, die wir eigentlich loswerden möchten. Aus Gewohnheit, aus Angst oder weil wir irgendwann vergessen haben, wie viel Kraft eigentlich in uns selbst steckt.
Energie folgt der Aufmerksamkeit
Seit dieser Aufstellung sind inzwischen zehn Tage vergangen. Vor Kurzem schrieb mir Sabine eine Nachricht. Die Schmerzen sind zwar noch nicht vollständig verschwunden, doch sie haben sich deutlich reduziert. Sie fühlt sich leichter, freier und lebendiger. Ihre Grundstimmung ist positiver und in ihrer Beziehung läuft es auch viel besser. Nach der Aufstellung war sie zwar müde, aber gleichzeitig auch erleichtert. So, als hätte ihr Körper endlich etwas loslassen dürfen.
Nun beginnt ein neuer Weg für Sabine. Ein Weg, der sie einlädt, mehr Freude in ihr Leben zu bringen, neue Dinge auszuprobieren, dem Leben wieder zu vertrauen und ihren Blick nicht auf das Belastende und Negative zu richten, sondern auf das Leben selbst. Denn manchmal verändert sich das Leben nicht dadurch, dass der Schmerz verschwindet, sondern dadurch, dass wir beginnen, unsere Aufmerksamkeit wieder dem Leben zu schenken.
- Gibt es in deinem Leben etwas, an dem du unbewusst festhältst, obwohl du es eigentlich loslassen möchtest?
- Worauf richtest du in deinem Leben deine Aufmerksamkeit, auf das was dir Kraft gibt, oder das, was dir Energie nimmt?
Vielleicht beginnt die Veränderung genau in dem Moment, in dem du beginnst, deinen Blick neu auszurichten. Denn manchmal verliert das Unerwünschte seine Macht, wenn wir unsere Aufmerksamkeit auf etwas anderes richten.
Mit der systemischen Aufstellungsarbeit – auch als Familienaufstellung bekannt – werden die unsichtbaren Dynamiken sichtbar, die hinter einem Symptom oder Problem stehen.
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